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Anschlagtafeln

Das Hauptaugenmerk meiner Arbeit legte ich auf die Dokumentation von Anschlagtafeln und Bekanntmachungskästen, welche häufig am Rande von Dorfplätzen kleinerer Ortschaften stehen oder an Gemeindeverwaltungsgebäuden angebracht sind, um Bürger, Bewohner und Besucher mit allerlei regional relevanten Neuigkeiten und Informationen zu versorgen.

So werden vor allem aktuelle Veranstaltungshinweise angeschlagen, welche beispielsweise Konzerte, Kabarette und Kirmessen in der näheren Umgebung bewerben oder zu Flohmärkten, Fußballturnieren und Feuerwehrfesten einladen. Manchmal werden zudem Stadtpläne und Wanderkarten befestigt oder die neusten Ergebnisse aus Lokalsport und Kommunalpolitik bekannt gegeben. Gelegentlich können Anschlagtafeln außerdem von der Bevölkerung verwendet werden, um eigene Dienstleistungen und Gebrauchsgüter anzubieten, was mitunter positive Auswirkungen auf den Austausch, die Kommunikation und somit auf das Zusammenleben innerhalb der Dorfgemeinde haben kann.

Selektion

Ein verdrängtes Medium

Obwohl Anschlagtafeln auf eine lange Tradition zurückblicken können, wirken sie heute in gewisser Weise altmodisch und nicht mehr zeitgemäß. Viele von ihnen werden nur noch sporadisch und unregelmäßig mit Benachrichtigungen bestückt, andere sind mittlerweile leer und verwahrlost. Sie erinnern an Zeiten, in denen Informationen noch nicht auf Webseiten und in sozialen Netzwerken, sondern durch Aushänge und Plakate übermittelt wurden. Spätestens seit der Jahrtausendwende verliert das Prinzip der klassisch analogen Informationsverbreitung jedoch zunehmend an Bedeutung. Die Anschlagtafel, welche als ein spezielles Medium zur Distribution von Druckerzeugnissen funktioniert, ist genau wie gewöhnliche Printmedien auch von dieser Entwicklung betroffen. Sie degeneriert allmählich zu einer obsoleten Kulturtechnik, die womöglich bereits in wenigen Jahrzehnten aus dem kollektiven Gedächtnis der Menschheit verschwunden sein wird.

Doch solange die Tafeln noch in Kleinstädten und Dörfern zu finden sind, symbolisieren sie standhaft die im ländlichen Lebensraum vorherrschende Trost- und Perspektivlosigkeit, welche vor allem viele junge Menschen dazu veranlasst, in die größeren Städte und dichter besiedelten Ballungsräume abzuwandern. Aus dieser zunehmenden Verstädterung resultiert eine noch weiter voranschreitende Verknappung des kulturellen Angebots in den betroffenen Regionen, wodurch diese wiederum an Attraktivität und Lebensqualität einbüßen.